Große EU-Präsidentschaftswahl-Umfrage Februar 2013 – Gysi vor Merkel und Schulz

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Das zweite Mal in Folge haben wir in ganz Europa herumgefragt, wen sich die Europäer als EU-Präsident wünschen. Teilweise weichen die Ergebnisse deutlich von denen im Vormonat ab, was an einer um rund 50 Prozent gestiegenen Wahlbeteiligung liegen dürfte.

Davon profitierte in erster Linie der Erstplatzierte in diesem Monat: Gregor Gysi (EL) wünschen sich 16,5 Prozent (+15,5 %p) der Europäer an der Spitze der Europäischen Union. Er genießt in Südeuropa und Deutschland parteiübergreifend Sympathien. Zudem stellten sich seine Anhänger der deutschen EL geschlossen hinter Gysi, nachdem Stasi-Vorwürfe gegen ihn laut wurden. Ob diese Sympathiewelle auf Dauer anhält, ist fraglich.

Angela Merkel (EPP) büßt europaweit, vor allem in Deutschland, deutlich an Zustimmung an. Sie landet nur noch auf dem zweiten Platz mit 10 Prozent (-12,5 %p).

Gleichauf mit der deutschen Regierungschefin bei 10,0 Prozent liegt der europäische Parlamentspräsident der sozialdemokratischen S&D-Gruppe Martin Schulz (PES). Er gewinnt 6,5 Prozentpunkte hinzu.

Es folgt knapp dahinter der deutsch-französische Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit (EGP). Vielen deutschen und französischen Bürgern ist er wohl bekannt und gilt als bi-nationaler Vordenker in Europa und gilt damit für 9,5 Prozent (+8,5%p) der  EU-Präsident als geeigneter EU-Präsident. 2014 will sich Cohn-Bendit jedoch aus der Politik zurückziehen.

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (EGP) halten sieben Prozent der Europäer für geeignet. Dies sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vormonat. Auffällig ist also, dass die chancenreichsten Kandidaten für die Position des EU-Präsidenten, gewählt aus dem Volk, allesamt aus Deutschland kämen.

Nicht nur im eigenen Land erfährt der ungarische Regierungschef Viktor Orbán (EPP) mit einem zunehmend softeren anti-EU-Kurs mehr Zustimmung. Er steigert sich im Februar von 2,5 auf 6 Prozent.

Der Mali-Einsatz scheint dem französischen Präsidenten François Hollande (PES) europaweit Stimmen zu kosten. Er fällt mit einem Minus von 8 Prozentpunkten auf 5 Prozent stark zurück.

Der ehemalige britische Regierungschef Tony Blair (PES) kann leicht zulegen und landet bei 4 Prozent (+1 %p).

Der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker (EPP) ist seit diesem Monat wesentlich weniger in der europäischen Politik präsent, da er im Januar sein Amt als Euro-Gruppen-Chef abgab. Dies wirkt sich auch auf seine Zustimmungsrate aus. Sie fällt um 5,5 Prozentpunkte auf 3,5 Prozent.

Mario Monti (europaparteilos) musste bei den Parlamentswahlen in Italien eine herbe Schlappe hinnehmen, die Europa die Unbeliebtheit des Italieners im eigenen Volk vor Augen führt. Damit sinken auch seine europäischen Umfragewerte auf noch 2,5 Prozent (-3,0 %p). Gleichauf liegen der scheidende Präsident Zyperns Dimitris Christofias (EL), der viele Stimmen an seinen europaparteiinternen Mitbewerber Gysi abgibt und dadurch 3 Prozentpunkte einbüßt. David Camerons (AECR) Vorschlag, über den Verbleib seines Landes in der EU abzustimmen, kommt nur mäßig gut in Europa an. Er gewinnt einen halben Prozentpunkt und landet ebenfalls bei 2,5 Prozent.

Der deutsche NPD-Vorsitzende Holger Apfel (europaparteilos) erhält von vielen europäischen Nationalisten Unterstützung und schafft es so in diesem Monat aus dem Stand auf 2,5 Prozent. Damit liegt Apfel gleichauf mit dem Vorsitzenden der ALDE-Fraktion Guy Verhofstadt, der also anderthalb Prozentpunkte gewinnt.

Helle Thorning-Schmidt (PES) büßt deutlich an Zustimmung ein. Die im Vormonat überraschend gut platzierte Thorning-Schmidt erhielte nur noch 1,5 Prozent, was 4,5 Prozentpunkte weniger wären als im Januar. Man könnte also von einem verpuffenden Hype um die dänische Regierungschefin sprechen. Sie verlor viele Stimmen an linkere Mitbewerber. Gleichauf mit ihr liegt der niederländische Amtskollege Mark Rutte (ALDE) und verliert damit einen halben Prozentpunkt.

Ganz knapp im Ranking mit einem Prozent Zustimmung kann sich Kommissionspräsident José Manuel Barroso (EPP) halten. Dies entspricht dem Vormonatswert. Marine Le Pen steigt für das AEMN-Bündnis ins das monatlich erstellte Ranking ein und erhält ebenfalls 1,0 Prozent.

Alle anderen Politiker sind nicht (mehr) im Ranking vertreten, da sie zu wenig Zustimmung erhielten,  und erreichen zusammen 11 Prozent. Das sind 9,5 Prozentpunkte weniger als im Vormonat. Die auffällig hohen Schwankungen ergeben sich aus einer gestiegenen Beteiligung, die Politikern am linken und rechten Rand prozentual eher hilft, als den gemäßigteren Politikern Europas.

Befragte 302 Antworten von 2.632 Befragten
ungültige/weiß nicht 3,0%
Staaten Deutschland, Italien, Vereinigtes Königreich, Belgien, Frankreich, Spanien, Österreich, Griechenland, Ungarn, Irland, Schweden, Niederlande, Slowenien, Slowakei, Polen, Luxemburg, Bulgarien, Finnland, Rumänien, Malta, Dänemark, Portugal, Tschechien,
Befragungszeitraum 28. Januar bis 01. März 2013
Methodik Online-Umfrage
Institut/Auftraggeber twittprognosis Europe
Datum der Veröffentlichung 01. März 2013

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